News

Neuer Sportlicher Leiter  Thomas Trinker im Gespräch

"Das Ziel ist ganz klar der Weltcup"

Linz (OÖ), 04.11.2026 - Thomas Trinker ist seit Mai 2026 Sportlicher Leiter Alpin beim Landesskiverband Oberösterreich. Der 52-jährige Schladminger ist wohnhaft in Sautens, er war selbst aktiver Rennläufer und jahrelang als Trainer für den ÖSV tätig. 23 Saisonen in allen Kadern im ÖSV und zuletzt Cheftrainer bei den Damen. Jetzt will er dem oberösterreichischen Nachwuchs nach ganz oben verhelfen.

Was hat dich dazu bewogen, die Funktion des Sportlichen Leiters in Oberösterreich zu übernehmen?

Thomas Trinker: Es ist eine spannende Aufgabe. Ich habe mit den Herren und Damen gearbeitet vom C- bis zu A-Kader, als Rennsportleiter bei den Damen und jetzt möchte ich Kinder, Schüler und Jugend fördern. Das ist auch deshalb spannend, weil Oberösterreich so ein großes Bundesland ist und ich möchte das Potenzial von diesem Bundesland finden – und dann schauen wir, dass wir schnelle Skifahrer daraus machen!

Und wie macht man schnelle Skifahrer?

Thomas Trinker: Zum einen braucht es einen gewissen Trainingsumfang und zum anderen die Idee wie man richtig Ski fährt. 

Und diese Idee hatte man bisher nicht?

Thomas Trinker: Die Idee hatte man schon auch, das sieht man ja an Vincent Kriechmayr und anderen Topathletinnen und Topathleten in der Vergangenheit. Aber auch die werden einmal in Skipension gehen und dann haben wir in Oberösterreich schon ein großes Loch. Warum, das weiß man nicht und womöglich bleibt es auch bestehen und dann muss man sagen: Wir sind nicht besser. – Aber das ist nicht mein Ansatz! Ich will Talente finden und fördern und so gut wie möglich an die Weltspitze bringen. 

Welchen Vorteil bringt es mit sich, dass du selber Rennen gefahren bist?

Thomas Trinker: Der Prozess sieht immer sehr ähnlich aus und ich habe auch als Trainer schon viele Athleten auf ihrem Weg begleitet. Aber grundsätzlich muss natürlich das gewisse Eigenkönnen da sein. Ich versuche dann eine Richtung vorzugeben und den Sportler zu begleiten. 

Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?

Thomas Trinker: Im Frühling war es viel Arbeit am Computer, Telefonate, Online-Meetings. Jetzt sind wir sehr viel am Gletscher. Ich versuche, möglichst viel abzudecken. 

Wie schaut der aktuelle Stand aus?

Thomas Trinker: Wir haben einige gute Athleten. Die Jugendlichen Athleten sind auf vier Schwerpunktschulen aufgeteilt. Das macht es für mich sehr zeitintensiv, weil sie auf viele Plätze verteilt sind. Wir haben im Schülerbereich sehr etablierte Trainer mit Peter Flautner und Peter Feichtmayr die ihre Arbeit kennen und selbständig durchführen. Um den Kinderbereich wiederum kümmert sich Geri Posch. Unser Ziel ist dabei definitiv ein besseres Scouting! Das heißt, Talente in den Vereinen zu finden. 

Welche Rolle spielen Vereine in der erfolgreichen Nachwuchsarbeit und wie möchtest du sie unterstützen?

Thomas Trinker: Wir haben im Sommer Wax-Kurse für die Vereine angeboten und machen im November online eine Ausbildungsreihe mit Christian Mitter, dem Sportlichen Leiter Alpin beim ÖSV, mit Peter Flautner, Geri Posch und mir. Im Winter möchten wir die Vereine dann mit Praxistagen unterstützen. Wir möchten ihnen die Sicherheit geben, dass sie wissen was zu tun ist. Dabei ist wichtig, dass sie überhaupt etwas tun. Denn dort wo Eltern oder der Opa in einem Verein aktiv ist, da kommen auch die Kinder gerne hin. Unser Ziel ist es, dass wir dort ein bisserl breiter werden. 

 

Wie hast du den Oberösterreichischen Ski-Nachwuchs bisher wahrgenommen?

Thomas Trinker: Sie sind alle super engagiert. Einige haben gutes Potenzial und andere haben noch viel zu tun. 

Und dein Ziel ist es, so viele Oberösterreicher wie möglich in einen ÖSV-Kader und den Weltcup zu bringen?

Thomas Trinker: Der ÖSV ist nur eine Zwischenstation. Das Ziel ist ganz klar der Weltcup. 

Wie kommt man da hin?

Thomas Trinker: Es braucht eine gute technische Basis und Motivation. Und dann natürlich die Tugenden die jeden erfolgreichen Menschen ausmachen: Disziplin, Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und so weiter. Außerdem sind engagierte Leute im näheren Umfeld nötig, die einen unterstützen, begleiten und unter anderem auch fahren. Man muss in Oberösterreich weitere Wege gehen als zum Beispiel in Tirol. In Tirol kann man acht Monate Ski fahren, in Oberösterreich nur vier. Wenn ich da mithalten will, muss ich acht Monate fahren und noch darüber hinausgehen. 

Aber: Es gibt keinen Grund, warum ein Tiroler in den Kader kommen kann und ein Oberösterreicher nicht. Genetisch sind wir alle gleich gestrickt. Jeder hat seine Talente und warum sollen die nicht auch in Oberösterreich sitzen! Wir müssen sie nur finden und bestmöglich fördern. 

Gibt es noch Kinder und Jugendliche, die sich genug engagieren und Entbehrungen hinnehmen möchten, um ganz nach oben zu kommen?

Thomas Trinker: Ich würde sagen das ist eine ausgeglichene Quote. Aber der Wunsch muss ganz klar vom Kind kommen. Der Athlet muss sagen: Ich möchte. Ich werde! Und im Idealfall unterstützen das die Eltern. Umgekehrt funktioniert das nicht oder nur bedingt. Spätestens im Teenageralter springen die Jugendlichen dann ab. 

Eine Voraussetzung dafür, genügend Nachwuchs zu finden ist auch, dass die Popularität des Skisports in Österreich so hoch ist. Und der Skisport muss greifbar sein. Wenn im Februar die Wiese in Linz grün ist und zu blühen beginnt, ist es nicht ganz so einfach ans Skifahren zu denken wie in Tirol. Da muss man sich dann ins Auto setzen und an die Plätze wo Schnee liegt fahren.

Wie möchtest du den oberösterreichischen Nachwuchs unterstützen?

Thomas Trinker: In erster Linie möchte ich einmal den Kontakt intensivieren und die Schüler sehr intensiv betreuen. Dazu bin ich auch auf Feedback angewiesen, das aber noch nicht so kommt. Das liegt natürlich auch daran, dass man erst einmal Vertrauen haben, Vertrauen aufbauen muss und da spielt natürlich auch der große Altersunterschied eine Rolle. Das ist momentan noch nicht so weit, aber das wird sicher noch. Also versuche ich vorerst, stark über die Technik anzusetzen. Ich sehe mir Videos an und unterstütze von der Ferne. Die Fäden ziehen die Trainer. Die Trainer sind die Schwerpunktsetzer und mit ihnen bin ich in engem Austausch. In der Skihalle haben wir auch schon gemeinsam trainiert, da war ich auch vor Ort. 

Aber aktuell bin ich noch bissl mehr der Impulsgeber. Sozusagen das fünfte und das sechste Auge neben den Trainern und den Athletinnen und Athleten. Ich unterstütze und versuche, in eine gewisse Richtung zu bewegen. 

Wirklich viel sagen kann ich allerdings noch nicht, denn mit cirka 25 Schneetagen stehen wir ja erst am Anfang. 

Wo soll der Nachwuchs des LSVOÖ in drei bis fünf Jahren stehen?

Thomas Trinker: Ich möchte den einen oder anderen in den ÖSV-Kader bringen. Dann dauert es nochmal so lange, sagen wir sechs bis neun Jahre, dass wir jemandem im Weltcup haben. Aber ich sehe absolutes Potenzial im Jugendbereich, dass wir das auch früher schaffen. Es reicht, mit 23 Jahren im Weltcup zu stehen. Jene, die das mit 19 Jahren schaffen sind eine absolute Ausnahme. Es braucht viel, um so weit zu kommen, aber das Wichtigste ist einfach, gesund zu bleiben!

Welche Vision hast du für den Oberösterreichischen Skisport?

Thomas Trinker: Dass man in ein paar Jahren die Rennläufer aus Oberösterreich erkennt. Dass man sie an ihrer gut definierten Technik erkennt. Und wenn dann die anderen Sachen die dazugehören auch noch passen, dann können wir mit Tirol – das momentan sehr dominant ist – mithalten. 

Hab ich noch etwas vergessen zu fragen oder liegt dir noch etwas am Herzen?

Thomas Trinker: Ich möchte einfach noch sagen, dass es mich sehr freut, dass ich das Engagement bekommen habe. Es ist arbeitsintensiv, aber das habe ich gewusst. Es macht viel Spaß und wenn wir zusammenwachsen, dann können wir viel Gutes für den oberösterreichischen Skisport bewegen.