Wie hast du den Oberösterreichischen Ski-Nachwuchs bisher wahrgenommen?
Thomas Trinker: Sie sind alle super engagiert. Einige haben gutes Potenzial und andere haben noch viel zu tun.
Und dein Ziel ist es, so viele Oberösterreicher wie möglich in einen ÖSV-Kader und den Weltcup zu bringen?
Thomas Trinker: Der ÖSV ist nur eine Zwischenstation. Das Ziel ist ganz klar der Weltcup.
Wie kommt man da hin?
Thomas Trinker: Es braucht eine gute technische Basis und Motivation. Und dann natürlich die Tugenden die jeden erfolgreichen Menschen ausmachen: Disziplin, Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und so weiter. Außerdem sind engagierte Leute im näheren Umfeld nötig, die einen unterstützen, begleiten und unter anderem auch fahren. Man muss in Oberösterreich weitere Wege gehen als zum Beispiel in Tirol. In Tirol kann man acht Monate Ski fahren, in Oberösterreich nur vier. Wenn ich da mithalten will, muss ich acht Monate fahren und noch darüber hinausgehen.
Aber: Es gibt keinen Grund, warum ein Tiroler in den Kader kommen kann und ein Oberösterreicher nicht. Genetisch sind wir alle gleich gestrickt. Jeder hat seine Talente und warum sollen die nicht auch in Oberösterreich sitzen! Wir müssen sie nur finden und bestmöglich fördern.
Gibt es noch Kinder und Jugendliche, die sich genug engagieren und Entbehrungen hinnehmen möchten, um ganz nach oben zu kommen?
Thomas Trinker: Ich würde sagen das ist eine ausgeglichene Quote. Aber der Wunsch muss ganz klar vom Kind kommen. Der Athlet muss sagen: Ich möchte. Ich werde! Und im Idealfall unterstützen das die Eltern. Umgekehrt funktioniert das nicht oder nur bedingt. Spätestens im Teenageralter springen die Jugendlichen dann ab.
Eine Voraussetzung dafür, genügend Nachwuchs zu finden ist auch, dass die Popularität des Skisports in Österreich so hoch ist. Und der Skisport muss greifbar sein. Wenn im Februar die Wiese in Linz grün ist und zu blühen beginnt, ist es nicht ganz so einfach ans Skifahren zu denken wie in Tirol. Da muss man sich dann ins Auto setzen und an die Plätze wo Schnee liegt fahren.
Wie möchtest du den oberösterreichischen Nachwuchs unterstützen?
Thomas Trinker: In erster Linie möchte ich einmal den Kontakt intensivieren und die Schüler sehr intensiv betreuen. Dazu bin ich auch auf Feedback angewiesen, das aber noch nicht so kommt. Das liegt natürlich auch daran, dass man erst einmal Vertrauen haben, Vertrauen aufbauen muss und da spielt natürlich auch der große Altersunterschied eine Rolle. Das ist momentan noch nicht so weit, aber das wird sicher noch. Also versuche ich vorerst, stark über die Technik anzusetzen. Ich sehe mir Videos an und unterstütze von der Ferne. Die Fäden ziehen die Trainer. Die Trainer sind die Schwerpunktsetzer und mit ihnen bin ich in engem Austausch. In der Skihalle haben wir auch schon gemeinsam trainiert, da war ich auch vor Ort.
Aber aktuell bin ich noch bissl mehr der Impulsgeber. Sozusagen das fünfte und das sechste Auge neben den Trainern und den Athletinnen und Athleten. Ich unterstütze und versuche, in eine gewisse Richtung zu bewegen.
Wirklich viel sagen kann ich allerdings noch nicht, denn mit cirka 25 Schneetagen stehen wir ja erst am Anfang.
Wo soll der Nachwuchs des LSVOÖ in drei bis fünf Jahren stehen?
Thomas Trinker: Ich möchte den einen oder anderen in den ÖSV-Kader bringen. Dann dauert es nochmal so lange, sagen wir sechs bis neun Jahre, dass wir jemandem im Weltcup haben. Aber ich sehe absolutes Potenzial im Jugendbereich, dass wir das auch früher schaffen. Es reicht, mit 23 Jahren im Weltcup zu stehen. Jene, die das mit 19 Jahren schaffen sind eine absolute Ausnahme. Es braucht viel, um so weit zu kommen, aber das Wichtigste ist einfach, gesund zu bleiben!
Welche Vision hast du für den Oberösterreichischen Skisport?
Thomas Trinker: Dass man in ein paar Jahren die Rennläufer aus Oberösterreich erkennt. Dass man sie an ihrer gut definierten Technik erkennt. Und wenn dann die anderen Sachen die dazugehören auch noch passen, dann können wir mit Tirol – das momentan sehr dominant ist – mithalten.
Hab ich noch etwas vergessen zu fragen oder liegt dir noch etwas am Herzen?
Thomas Trinker: Ich möchte einfach noch sagen, dass es mich sehr freut, dass ich das Engagement bekommen habe. Es ist arbeitsintensiv, aber das habe ich gewusst. Es macht viel Spaß und wenn wir zusammenwachsen, dann können wir viel Gutes für den oberösterreichischen Skisport bewegen.